Tarifvertrag des bayerischen einzelhandels

Im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bank-/Versicherungswesen gelten Mehr-Arbeitgeber-Tarifverträge (siehe Tabelle 3 unten). Bis vor kurzem war eines der Grundprinzipien der Verhandlungen, dass ein Arbeitgeber nur durch eine Vereinbarung abgedeckt werden kann. Nur in wenigen Ausnahmefällen konnten bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte, Piloten oder Lokführer mit erheblicher Verhandlungsmacht nur für sie getrennte Vereinbarungen aushandeln. In einem Urteil vom Juni 2010 entschied das Arbeitsgericht jedoch, dass eine Person zwar nur unter eine Vereinbarung fallen könne, aber mehrere Vereinbarungen innerhalb desselben Unternehmens nebeneinander bestehen könnten. Aus Angst, dass dies zu einer stärkeren Zersplitterung der Verhandlungen führen könnte, führte die Regierung 2015 neue Gesetze ein, die vorsah, dass bei einem Konflikt zwischen konkurrierenden Gewerkschaften die mit der größeren Gewerkschaft am Arbeitsplatz unterzeichnete Vereinbarung gültig wäre. Die IG Metall zieht regelmäßige Lohnerhöhungen strikt der VPS vor und lehnt jede Politik ab, die darauf abzielen, die Bedeutung der variablen Bezahlung im Verhältnis zu den Löhnen im Rahmen von Mehr-Arbeitgeber-Vereinbarungen zu erhöhen. Das deutsche Tarifsystem ist unter Druck geraten, da die Abdeckung von Tarifverträgen auf Branchenebene gesunken ist. Die IAB-Zahlen zeigen, dass der Anteil aller Arbeitnehmer in Westdeutschland, die von Branchenvereinbarungen betroffen sind, von 70 % im Jahr 1996 auf 49 % im Jahr 2018 gesunken ist. Betrachtet man nur den privaten Sektor, so sank der Prozentsatz von 66 % auf 44 %.

In Ostdeutschland ist die Situation im gleichen Zeitraum erheblich schlechter, von 56 % auf 35 % für alle Beschäftigten und von 48 % auf 28 % für die Beschäftigten im privaten Sektor. [6] Ergebnisse aus ökonometrischen Analysen, die sich entweder auf IAB- oder IW-Daten stützen, wie Bellmann/Möller 2005, Strotmann 2005 und Lesch/Stettes 2008, können den Hintergrund der verschiedenen VPS veranschaulichen. Die Studien deuten darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Gewinnbeteiligungssystem einzuführen, mit der Unternehmensgröße – im Hinblick auf die Zahl der Beschäftigten – oder der Anteil hochqualifizierter Arbeitskräfte steigt. Darüber hinaus erhöht die direkte Beteiligung der Arbeitnehmer an der Entscheidungsfindung über leistungsfähige Arbeitssysteme wie Teamarbeit und die Übertragung von Autorität und Verantwortung an einzelne Arbeitnehmer die Bereitschaft der Unternehmen, Gewinnbeteiligungssysteme anzubieten.